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Im Bann des Polarlicht – Eine Fotoreise nach Tromsø

Ein tanzendes Polarlicht mit den eigenen Augen zu beobachten steht wohl bei vielen Menschen, insbesondere bei Fotografen, auf der „Bucket List“. Nachdem wir auf unserer ersten Polarlichtreise 2016 im schwedischen Abisko nicht so viel Glück mit dem Wetter hatten und nur an einem einzigen Abend ein sehr schwaches Polarlicht beobachten konnten, stand damals für uns fest: wir wollen mehr!

In diesem Jahr war es endlich soweit und ich verbrachte Ende Januar eine knappe Woche in Nordnorwegen. Als Ziel hatte ich mir diesmal Tromsø ausgesucht, rund 350 Kilometer nördlich des Polarkreises. Die Erwartungen waren hoch, endlich ein tanzendes Polarlicht zu beobachten.

Ankunft im Eisschrank

Als ich in Oslo in den Flieger nach Tromsø stieg und über die tief verschneite Landschaft in Richtung Nordpol dahinglitt, bekam ich bereits einen ersten Eindruck von dem, was mich in den kommenden Tagen erwarten wird. Angekommen in Tromsø, wurde ich bei Minus 12 Grad von einem heftigen Schneesturm begrüßt. Da Teile der Innenstadt durch den Einsatz von Schneepflügen gesperrt waren, konnte ich nur über Umwege vom Flughafen zu meiner Unterkunft am Südende der Stadt gelangen. Ein interessanter Start. An Polarlichter war aufgrund des bedeckten Himmels an diesem Abend nicht mehr zu denken. Die Temperaturen schwankten während meines Aufenthalts zwischen -8°C und -19°C. Für eine Stadt, die normalerweise vom Golfstrom profitiert, ziemlich kalt.

Norwegen, Tromsö

Blick vom Storstein auf das abendliche Tromsø

Licht und Schatten

Tagsüber bot sich mir eine traumhafte Winterlandschaft mit malerischen Buchten und Küstenabschnitten, die von schneebedeckten Bergen gesäumt waren. Die extremen Farben und Lichtverhältnisse, die sich durch den tiefen Sonnenstand ergaben, ließen jedes Fotografenherz höher schlagen. Immerhin gab es zu dieser Jahreszeit fast acht Stunden Tageslicht. Vier Stunden Dämmerung inklusive. Relativ viel wenn man bedenkt, dass es bis Mitte Januar noch keinen Sonnenaufgang gibt.

Es gab also genügend Zeit, um die Umgebung von Tromsø tagsüber ausgiebig mit dem Auto zu erkunden. Dank der Spikes in den Reifen war das Fahren auf den meist vereisten Straßen kein Problem. Unzählige Buchten boten an jeder Ecke traumhafte Fotomotive und luden zum Verweilen ein. Die leicht diffuse Beleuchtung sorgte für eine grandiose Stimmung von Licht und Schatten. Die Gegend um Tromsø hatte so auch tagsüber ihren Reiz.

Wettertechnisch hatte ich großes Glück. Schließlich ist diese Region nicht gerade als Schönwetterregion bekannt. Abgesehen vom An- und Abreisetag war der Himmel wenig bis gar nicht bedeckt. Außerdem war es, zumindest Nachts, meist relativ windstilll. Letzteres ist gerade für das Fotografieren der Nordlichter von unschätzbarem Wert.

Norwegen

Sonnenuntergang vor Kvaløya

Im Bann des Polarlicht

Primäres Ziel meiner Reise waren natürlich die Polarlichter. Meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Die mir wohlgestimmte Wetterlage ermöglichte mir einen meist wolkenfreien Himmel und damit die freie Sicht auf die nächtlichen Polarlichter. Somit hatte ich das Glück, jeden Abend bzw. jede Nacht (mit Ausnahme des Anreisetags) Polarlichter unterschiedlicher Intensität und Ausprägung beobachten zu können. Ein wahrhaft unwirkliches Erlebnis, wenn der Nachthimmel plötzlich in kräftigem Grün leuchtet.

Tanzende Polarlichter, die sich minutenlang in einer unglaublichen Geschwindigkeit über mich hinwegbewegten, bildeten für mich den absoluten Höhepunkt. So manches Mal duckte ich mich reflexartig unter ihnen weg, um nicht „getroffen“ zu werden. Ein unnötiger Reflex, schließlich bewegen sich grüne Polarlichter in einer Höhe von rund 100 Kilometern. Ein absolut überwältigendes und ergreifendes Erlebnis, das einem nicht nur den Atem stocken sondern auch mit offenem Mund staunen lässt. Hierfür die passenden Worte zu finden ist nahezu unmöglich. Wer schon einmal in diesen Bann der Polarlichter gezogen wurde, weiß wovon ich spreche.

Ein besonders eindrucksvolles Erlebnis hatte ich am vorletzten Abend in einer Bucht nahe Skulsfjord, rund 20 Kilometer nordwestlich von Tromsø. Schon tagsüber hatte ich mir diesen Spot am Ufer einer kleinen Bucht ausgeguckt, um die Polarlichter vor der Kulisse der verschneiten Berge zu fotografieren. Nachdem ich meine Kamera aufgebaut und eingestellt hatte, wollte das Nordlicht nicht so recht in Fahrt kommen. Lediglich ein schwacher Schleier, der mit bloßem Auge kaum von einer Wolke zu unterscheiden war, bewegte sich langsam über die Bucht hinweg. Unglücklicherweise zog eine leichte Schleierbewölkung auf, die das ohnehin schwache Polarlicht immer mehr verschwinden ließ.

Nach gut eineinhalb Stunden packte ich meine Sachen etwas enttäuscht zusammen und wollte mich gerade auf den Rückweg zum Auto begeben, als sich der Himmel plötzlich erhellte und in einem kräftigen Grün erstrahlte. Sofort baute ich meine Kamera wieder auf. Eine ganze Weile tanzten die Polarlichter über die Bucht und die schneebedeckten Berge. Nach einiger Zeit packte ich meine Kamera erneut zusammen als sich der Himmel erneut erhellte. Wieder färbte sich der Himmel in ein kräftiges Grün und wieder fingen die Polarlichter an zu tanzen. Ich baute die Kamera wieder auf und schoss noch einige Fotos. Dieses „Spielchen“ wiederholte sich noch zweimal, bevor ich mich überwältigt von den Eindrücken auf den Rückweg in meine Unterkunft machte.

Lohnt sich eine Polarlichtreise nach Tromsø?

Grundsätzlich ist eine Polarlichtreise (egal wohin) immer ein Risiko in Bezug auf den Erfolg, Polarlichter zu sehen. Schließlich müssen mehrere Faktoren zusammenspielen: Jahreszeit, Wetter und Sonnenaktivität. Der größte Unsicherheitsfaktor bleibt dabei das Wetter. Tromsø eignet sich meiner Meinung nach dennoch sehr gut, da die Umgebung auch tagsüber eine äußerst beeindruckende Kulisse sowie Möglichkeiten für diverse Aktivitäten bietet. Gleichzeitig muss einem aber bewusst sein, dass Tromsø, anders als z.B. Abisko in Nordschweden, durch seine Nähe zur Küste seltener in den Genuss von Schönwetterperioden kommt. Die Wahrscheinlichkeit, dass einem das Wetter die Beobachtung von Polarlichtern verwehrt, ist in Tromsø höher.

Norwegen, Tromsö, Winter

Höchststand: Höher steigt die Sonne nicht

Tromsø ist relativ bequem mit dem Flugzeug, meist mit einem Zwischenstopp in Stockholm oder Oslo, zu erreichen. Die reine Flugzeit beträgt knapp vier Stunden. Von München werden sogar Direktflüge angeboten. Vor Ort empfehle ich einen Mietwagen, um mobil zu sein und vor allem flexibel auf das Wetter reagieren zu können. Unterkünfte gibt es in unterschiedlichen Preisklassen. Gute Erfahrungen habe ich mit dem Sydspissen Hotell, im Süden Tromsøs gemacht. Eine funktionale Unterkunft direkt am Wasser zum angemessenen Preis.

Die nächtlichen Ausflüge zur „Polarlichtjagt“ habe ich immer in Eigenregie gemacht. Es werden zwar überall sog. „Aurora Tours“ angeboten, jedoch kam diese Alternative für mich nicht in Frage. Ich habe für mich keinen triftigen Grund gefunden, der die teils horrenden Preise für eine geführte Polarlichttour gerechtfertigt hätte. Aber diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen.

Auch mit dem Wissen, dass ich beim nächsten Mal weniger Glück mit dem Wetter haben kann, würde ich meine nächste Polarlichtreise dennoch wieder nach Tromsø machen.

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