Sternenpark Westhavelland

Sternenpark Westhavelland – Ein Erfahrungsbericht

Seit einiger Zeit planten wir den Besuch in einem Sternenpark. Den richtigen Zeitpunkt zu finden, gestaltete sich dabei recht schwierig, da sich die hierfür in Frage kommenden Wochenenden an zwei Händen abzählen ließen. Zu viele Faktoren mussten berücksichtigt werden. Doch dazu später mehr.

Im Spätsommer 2019 passte endlich die kurzfristige Wettervorhersage für unser Unternehmen. Die Unterkunft war schnell gebucht und die Fototasche mit dem für die Astrofotografie notwendigen Equipment bald gepackt.

Was ist ein Sternenpark?

Doch was ist eigentlich ein Sternenpark? Durch die hohe Besiedlungsdichte wird in Deutschland sehr viel künstliches Licht erzeugt, das den Nachthimmel aufhellt und somit die Beobachtung des Sternenhimmels erschwert bzw. in den Städten sogar unmöglich macht. Hier spricht man auch von der sog. Lichtglocke. Dieses „Phänomen“ wird Lichtverschmutzung genannt.

Ein Sternenpark ist eine offiziell ausgewiesene, besonders dunkle Region in Deutschland mit einer überwiegend natürlichen Nachtlandschaft durch einen geringen Grad an Lichtverschmutzung. D.h die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliches Licht ist in diesen Regionen besonders gering. Hier lassen sich Sterne und andere Himmelskörper besonders gut beobachten und fotografieren. Gleichzeitig verpflichten sich die Parks, diese Nachtlandschaft zu schützen und durch einen verantwortungsvollen Umgang mit künstlichem Licht schrittweise wieder herzustellen. In Deutschland wurden die folgenden Regionen von der International Dark-Sky Association (IDA) offiziell als Sternenpark anerkannt (Stand 2019):

Der Sternenpark Westhavelland

Im Februar 2014 ist der Sternenpark Westhavelland zum ersten deutschen Sternenpark ernannt worden. Der Naturpark liegt im Westen von Brandenburg an der Grenze zu Sachsen-Anhalt, rund 80 Kilometer westlich von Berlin. Die Region ist dünn besiedelt, sodass die relativ geringe Lichtverschmutzung einen ungetrübten Blick in den Nachthimmel ermöglicht. Ein idealer Ort für lichtgeplagte Großstadtbewohner z.B. aus Berlin.

Die Region ist geprägt durch viele Alleen, Felder und Seen, die meist eine schöne Kulisse für die Astrofotografie bilden. Schließlich ist eine interessante Nachtlandschaft Grundvoraussetzung für ein gelungenes Astrofoto.

Auf Astro-Touristen bestens vorbereitet sind die Besitzer der Ferienhaussiedlung Zemlin in Lochow. Auf einem Areal in unmittelbarer Nähe zu einem kleinen Waldsee betreibt die Familie mehrere Ferienwohnungen und Teleskopaufstellflächen. Der Verleih von Teleskopen und Ferngläsern wird ebenfalls angeboten.

Tagsüber bietet die Region viele Möglichkeiten für ausgedehnte Wanderungen, Radtouren oder Kanutouren. Im Sommer laden viele Seen zum Baden ein. Lohnenswert ist auch ein Besuch der Stadt Havelberg mit der Altstadtinsel und dem Dom.

Grundsätzlich ist die Region nicht sehr stark besucht, dennoch kann es gerade an Wochenenden am Nordufer des Gülper Sees etwas voller werden, wenn die Großstädter den Sternenhimmel bewundern. Hier lohnt es sich, entweder ein paar hundert Meter entlang des Sees zu laufen oder einfach einen anderen Beobachtungspunkt aufzusuchen.

Fotospots im Sternenpark

Astrofotos zeichnen sich nicht nur durch einen klaren Sternenhimmel aus sondern auch durch eine interessante Umgebung, die dem Foto Dimension und Tiefe verleiht. Das ist meist eine große Herausvordergung, da die Landschaft bei Dunkelheit oftmals völlig anders wirkt als bei Tageslicht. Hier den richtigen Spot zu finden ist nicht immer ganz einfach. Dennoch konnte ich in der Kürze der Zeit einige Spots ausfindig machen, die ich hier auszugsweise skizziere. Grundsätzlich bietet die Region eine Vielzahl von Möglichkeiten.

  • Gülper See (Nordufer): vom Parkplatz aus führt ein kleiner Weg entlang eines Entwässerungsgrabens, der einen schönen Vordergrund bildet. Außerdem gibt es einige markante Bäume, die ebenfalls als interessanter Vordergund dienen.
  • Lochower See: der kleine See ist von Bäumen umsäumt und liegt somit windgeschützt. Die Wasseroberfläche ist meist spiegelglatt, sodass sich die Sterne im See spiegeln. Interessant auch für Startrails.
  • Kanal bei Lochow: eine kleine Brücke bildet den perfekten Vordergrund, die Sterne spiegeln sich im Wasser

Der Besuch im Sternenpark – Planungshilfen

Damit der Besuch des Sternenpark auch zum gewünschten Erfolg führt, empfiehlt sich eine gute Vorabplanung. Hierfür müssen unterschiedliche Faktoren berücksichtigt werden.

Dunkelheit

Grundvorraussetzung für einen beeindruckenden Sternenhimmel ist natürlich absolute Dunkelheit. Um besonders lichtschwache Objekte am Himmel beobachten und eindrucksvoll fotografieren zu können muss es „richtig“ dunkel sein. Da es in den Sommermonaten Juni, Juli und August in Deutschand nicht vollständig dunkel wird, eignen sich diese Monate nicht besonders gut für die Beobachtung des Nachthimmels. Um vor Ort genügend Zeit für die Astrofotografie zu haben, sollten mindestens drei besser vier bis fünf Stunden vollständige Dunkelheit eingeplant werden. Somit ist genügend Zeit für einen Ortswechsel oder das Fotografieren von Sternspuren (Startrails). Für das Erstellen von Zeitraffern (Timelapse) muss entsprechend mehr Zeit eingeplant werden. Konkret ist dies nach Ende der sog. astronomischen Dämmerung. Hier steht die Sonne zwischen 12 und 18 Grad unter dem Horizont. Auch wenn die Lichtverschmutzung in einem Sternenpark relativ gering ist, gibt es weitere Einflüsse, die den Nachthimmel stören.

Der Mond

Auch wenn eine Vollmondnacht ihren Reiz hat, so ist sie für die Beobachtung und das Fotografieren des Nachthimmels eher ungünstig. Aus diesem Grund kommen nur Neumondnächte in Frage oder Nächte, in denen der Mond vor Einbruch der Dunkelheit (Beginn der sog. astronomischen Dämmerung) wieder untergegangen ist. Um die Mondauf- und untergangszeiten sowie die Dämmerungszeiten zu ermitteln, gibt es diverse Internetseiten oder Apps, die diese Aufgabe für jeden Ort und jeden Zeitpunkt präzise berechnen. Einige Beispiele habe ich weiter unten aufgeführt.

Spezielle Himmelsobjekte

Ein Nachthimmel ohne bzw. mit wenig Streulicht ist alleine schon sehr beindruckend. Besonders fotogen ist der Sternenhimmel jedoch, wenn besondere Himmelsobjekte (wie z.B. die Milchstraße, besondere Sterne, Planeten oder Meteoritenschauer) zu sehen sind. Wer z.B. das Zentrum der Milchstraße nahezu senkrecht über dem Horizont fotografieren möchte, der sollte die Monate Mai, August und September ins Auge fassen. Wer hingegen die Milchstraße in einem großen Bogen z.B. als Panorama ablichten möchte, wählt lieber die Monate Februar oder März.

Das Wetter

Der wohl größte Unsicherheitsfaktor ist, wie so oft, das liebe Wetter. Was nützt es schon, wenn die oben beschriebenen Randbedingungen für den geplanten Besuch berücksichtigt wurden, der Himmel jedoch bewölkt oder bedeckt ist. Dieses Restrisiko bleibt jedoch und kann nur durch ein intensives Studieren der Wettervorhersage vor dem geplanten Termin minimiert werden. Hier ist am Ende Flexibilität gefragt.

Unterkünfte

In der Region gibt es unzählge Unterkünfte. Das Problem wird eher sein, kurzfristig eine Unterkunft zu finden. Folgende Unterkünfte können als erste Anlaufstelle dienen:

Weitere Hinweise zu Unterkünften gibt es auf der Internetseite des Sternenpark Westhavelland.

Hilfreiche Apps und Software

Um die Planung für einen optimalen Besuch zu vereinfachen, gibt es zahlreiche Apps. Die ausführliche Beschreibung dieser Apps würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Dennoch soll auf eine kurze Auflistung möglicher Apps nicht verzichtet werden. Die nachfolgende Liste erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

Die Apps PlanIt!, PhotoPills und TPE bieten umfangreiche Funktionen bzgl. Dämmerungszeiten, Auf- und Untergangszeiten sowie die Position von Sonne, Mond und Milchstraße. Alle drei Apps sind sowohl für Android als auch für iOS erhältlich. Sky Map und Stellarium simulieren eine realistische Himmelsdarstellung. Während Sky Map nur für nur für Android verfügbar ist, besticht Stellarium durch seine Plattformvielfalt. Stellarium ist in erster Linie eine Desktopanwendung für Windows, Mac OS und Linux. Ein stark eingeschränkter Funktionsumfang ist aber auch für Android und iOS verfügbar.

Fazit und Alternativen

Gerade in Deutschland ist es meist schwierig, einen möglichst dunklen Nachthimmel ohne störende Lichtverschmutzung vorzufinden. Hierfür muss man schon sehr weit aufs Land hinausfahren. Wer jedoch einmal in den Genuss gekommen ist, einen wirklich dunklen Nachthimmel zu erleben, wird von dem Sternenmeer nachhaltig überwältigt sein. Hierfür eignet sich der Besuch eines Sternenparks natürlich hervorragend. Meist bieten die Parks spezielle Veranstaltungen oder Führungen an, die einem den Sternenhimmel näher erklären.

 

Gleichzeitig gibt es jedoch auch außerhalb der Sternenparks Regionen, die ähnlich dunkel sind und einem ein ebenso großes wie eindrucksvolles Erlebnis ermöglichen. Hierfür hilft ein Blick auf die Lichtverschmutzungskarte, die den Grad der Lichverschmutzung für jeden Ort darstellt. Es muss also nicht zwingend ein Besuch in einem Sternenpark sein, um einen beeindruckenden Sternenhimmel zu erleben. Für Interessierte aus dem Großraum Hamburg kann ich den Besuch der Lüneburger Heide zwischen Undeloh und Oberhaverbeck oder die Elbtalauen zwischen Bleckede und Wittenberge sehr empfehlen. Gerade die Lüneburger Heide bietet mit ihren großen Wacholdern und Schafställen eine sehr reizvolle Kulisse für Astrofotografen.

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